Quelle: SpaleZytig, 1/2016
Autor: Martin Briner

Besondere Kinder? Nein, aber ein besonderer Kindergarten

Jeden Vormittag um halb Neun zieht eine muntere Schar Kinder in den Allschwiler Wald. Und dies bei jedem Wetter – das ganze Jahr. Der Kindergarten dieser Kinder hat kein Dach und keine Wände, es ist der Wald selbst.

Der Wald ist ein unerschöpflicher Erfahrungs- und Erlebnisraum. Herkömmliches Spielzeug ist hier überflüssig. Rollenspiele, Klettern, Arbeiten mit Werkzeug, Herumstreifen… für alles gibt es Raum. Unzählige Gelegenheiten wecken Neugier und Forschungsdrang. „Ich wollte einen Kindergarten für meine Tochter, der sie in ihrer Entwicklung unterstützend fördert und ihr so viele Bewegungsfreiheiten wie möglich bietet“, meint eine Mutter. Sie hat den Waldkindergarten bewusst gewählt, um ihrem Kind Zeit in der Natur zu schenken.

Dreckige Kleider – glückliche Kinder … oder warum die Waschmaschine erfunden wurde

Martin Briner, Vater der 6-jährigen Lisa-Marie, geniesst einfach die Tatsache, dass seine Tochter wetterfest, klettertauglich, naturkundig und – ja – rundum glücklich ist. „Als netter Nebeneffekt davon steht sie wirklich ausnahmslos jeden Morgen gerne auf, denn sie freut sich auf den Waldchindsgi. Egal ob es regnet, kalt oder noch stockfinster ist. So kann auch ich ein paar Minuten länger schlafen“, schmunzelt er. Dazu bekommt man dann beim Abendessen die neusten Abenteuergeschichten erzählt. Zum Beispiel, dass sich kein einziges Kind beim Schnitzen geschnitten hat – aber sehr wohl jemand aus dem Leitungsteam oder dass ein matschiger Abhang eine tolle Rutschbahn sein kann. Und für die dreckigen Kleider wurde ja schliesslich die Waschmaschine erfunden.

Kein Nachteil, dafür viele Vorteile und – ja – Waldkindergartenkinder können auch still sitzen

Seit 2008 leitet Peter Huber den Waldkindergarten Spitzwald. Er ist ausgebildeter Kindergärtner und Naturpädagoge CAS. „Der Waldkindergarten richtet sich nach dem kantonalen Lehrplan“, sagt er, „so erreichen die Kinder die Schulreife ebenso gut wie die Kinder im Regelkindergarten.“ Unkenrufen zufolge seien die grobmotorischen Fähigkeiten leicht besser ausgebildet als die Feinmotorik. Dazu Peter Huber: „Keine Angst, auch im Wald wird gemalt und geschnitten, geklebt und gebastelt – die Tische stehen, von Blachen geschützt, unter hohen Tannen!“

Neu auch mit Spielgruppe

Der Waldkindergarten Spitzwald ist ein privater Kindergarten mit öffentlicher Anerkennung. Neu bietet der Verein dienstags und donnerstags auch eine Waldspielgruppe ab 3 Jahren an.

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